Jürgen in Kultur am 29. August 2010, 20:38 4 Kommentare »
Was haben Sie uns 2004 für einen schönen Film geschenkt! “Alles auf Zucker”, mit einem wunderbaren Schauspielerensemble, aus dem Henry Hübchen und Hannelore Elsner noch herausragten, war ein weiser und humorvoller Streifen.
Ihrem neuesten Werk “Das Leben ist zu lang” – jetzt in den Berliner Kinos angelaufen – vermag ich dieses Prädikat leider nicht zu verleihen. Warum? Sie stellen uns, angeführt von der Hauptfigur des Alfi Seeliger (Markus Hering) – Pechvogel, Nebbich, Loser – den Betrieb und die Praktiken der Filmbranche vor. Produzenten, Regisseure, Schauspieler, Feten, Besetzungen oder auch nicht, Intrigen, Verletzungen, Eitelkeiten – alles als Farce geschrieben. Sie lassen Alfi über eine Katze stolpern, dabei das Puzzle seiner Tochter zertöppern, aus dem Fenster stürzen, auf dem OP-Tisch landen und tausend Hypochonderängste ausstehen. Vor allem lassen Sie ihn, den Alfi, an seinen Mitprotagonisten verzweifeln: Dem alten, ideen- und kapitalschwachen Produzenten, seiner liebestollen, russischen Mätresse, dem skrupellosen Fernsehsender-Chef, dem merkwürdigen Bankberater usw.
Sie zeigen uns Menschen, die sich auch manchmal wie A…löcher benehmen, nämlich andere anschwärzen, ausbooten, intrigieren, Zusagen nicht einhalten und auf Schwächeren herumtrampeln, aber sich auch lächerlich machen, ihre Eitelkeiten pflegen und anderes mehr. Solche Leute gibt es nicht nur in der Filmbranche. Der Zuschauer kennt sich selbst und seine Schwächen, aber auch Figuren mit diesen Eigenschaften aus seinem Leben. Aber so, wie es gezeigt wird, ist es zu selten witzig, ironisch oder gar humorvoll.
Trotzdem: Schöne Grüße an Veronika Ferres, die in der Restaurant-Szene zeigt, wie gut sie spielen kann. Ebenfalls Kompliment an Meret Becker, die am Krankenbett ihres Alfi zeigt, was in ihr steckt und auch an den unvermeidlichen Heino Ferch, der als Arzt Professor Mohr so aussieht wie – Heino Ferch und einen netten Gag über Privatversicherte losläßt.
Aber, lieber Dani Levy, als Sie schließlich selbst auch noch im Film erscheinen, weiß man weder warum, noch ein oder aus.
Mit herzlichkonstruktiven Grüßen – Ihr Kritiker