Hauptstadtblog

Das Besondere an Museumsfotos

Bisher war es so üblich, dass Abbildungen aus Museen eher von Interesse für Fachleute waren. Oder es konnten sich noch Touristen dafür als Orientierungshilfe erwärmen. Nun muss ich zugeben, dass ein Foto von Kanzlerin Merkel im neueröffneten Potsdamer Barberini-Palast meine Aufmerksamkeit erlangt hat. Die Potsdamer Neuen Nachrichten veröffentlichten in ihrem Newsblog ein Foto der Kanzlerin, wie sie andächtig eines der ausgestellten Monet-Bilder studiert. Dem Betrachter des Fotos den Rücken zugekehrt. Ein eindeutigeres Statement zur Frage „Was macht sie an dem Tag der Trump-Inauguration?“ kann ich mir von ihr nicht vorstellen.

Ausflug ins Potsdamer Barberini-Museum | Foto: linda link

Grund genug für mich, einen Testbesuch vor Ort einzuplanen. Auch wenn das Palais wieder nur eine Kopie und ein moderner Nachbau eines zerstörten alten Gebäudes ist. Eintritt war heute frei, daher eine Geduldsprobe. Die Warteschlange reichte noch bis um das Parlamentsgebäude herum – also ungefähr einen Kilometer lang.

(Und falls das Bild aus dem Newsblog allmählich verschwindet, ist es noch in der Google-Bildersuche „merkel im barberini“ zu finden)

am 21. Januar 2017 - 17:28 von Linda Link

Winter ist …

wenn du mindestens ein digitales Beweisfoto vom Schnee gemacht hast, auch wenn nur wenige Millimeter liegen.

Schnee auf dem Dach

Die weißen Tupfer auf dem Bikinihaus-Dachgras sehen noch nicht ganz so zertrampelt aus wie die Schneeschicht auf den Hauptstadtstraßen

am 08. Januar 2017 - 19:36 von Linda Link

2017

Macht’s gut, kommt sicher rüber. Lasst es krachen, wenn’s unbedingt sein muss. Ich bleibe zu Hause, außer Gefahr. Ich kann dieses Gelärme nicht leiden, und den Pulverdampf auch. Den vor allem nicht.

Aber es ist wohl gut und richtig, dieses 2016  abzuschließen. Vielleicht sogar abzuschießen. Ja!

am 31. Dezember 2016 - 18:23 von Susanne Englmayer

Berlin bleibt

Wie kann man HSB sein und nichts sagen, nicht schreiben? Jetzt?! Wo alle Welt über Berlin redet und meint und sogar betet, wie mir Twitter erzählt. Was aber sagen, was überhaupt denken? Und wie?

Notiz von Sigrid Grajek, am 20. Dezember 2016 Brandenburger Tor hinterlassen
Notiz von Sigrid Grajek, am 20. Dezember 2016 am Brandenburger Tor hinterlassen

Zunächst einmal bin ich nur ich, ich bin nicht Berlin. Ich bin in Berlin.

Und dich bin sehr ruhig und friedlich dieser Tage. Ich war in der Nähe am Montag, auch weil ich jetzt in Charlottenburg arbeite. Dann war ich noch die neue Brille abholen, in Wilmersdorf, und morgen muss ich wieder hin, um eben diese Brille zu reklamieren. Der Breitscheidplatz ist dennoch weit weg. Alle meine FreundInnen und KollegInnen, alle bekannten und unbekannten Namen und Gesichter in meiner Umgebung waren kaum näher dran als ich. Das macht es leicht, ich weiß.

Aber es ist kein Krieg, nichts Neues in Berlin oder in der Welt seit Montag. Alles ist wie immer, wie seit langem schon. Also doch Krieg. Ich schaue zurück auf das vergangene Jahr, das eine deutliche Sprache spricht. Und das jetzt noch einmal das Letzte, wirklich Allerletzte zu geben scheint. Was immer es sein mag, das am Montag in Berlin eingekehrt ist, Krieg, Terror oder Verbrechen: Es fordert weltweit Opfer. Viele Opfer und viel Leben, auch da, wo es nicht direkt tötet. Was also sagen, was denken?

Ich weiß es nicht. Aber ich muss auch nicht, denn Sigrid Grajek hat gestern bereits Worte gefunden und umgesetzt, denen ich mich nahtlos anschließe: Kein Hass, voller Liebe und Vielfalt in Freiheit. Das ist Berlin!

Fußnote: Bleibt noch der Ekel vor Meinungsmache und Rechthaberei, die schneller als alles andere längst wieder um sich greifen Und vor all dem politischen Dreck, auch wenn das letztendlich gänzlich wertlos ist.

am 21. Dezember 2016 - 15:20 von Susanne Englmayer

Westberliner Wörter

Dückers Lesung
Tanja Dückers liest in der Villa Oppenheim

Wenn man nicht aufpasst, wird die eigene Geschichte einfach weggeblasen, Walter Benjamin wusste das. Daran musste ich denken, als ich gestern Abend nach Hause ging. Von einer Lesung mit Tanja Dückers in der Villa Oppenheim. Übrigens an einem trockengelegten Charlottenburger See gelegen.
Also muss man Begriffe aus der Kinderzeit retten, bevor sie hinter der gegenwärtigen Deutungshoheit verschwinden. Bestimmte Westberliner Eigenarten sind den neu Hinzugezogenen sonst kaum noch zu vermitteln. Dückers neuestes Buch „Mein altes West-Berlin: Berliner Orte“, mit Kindheitsgeschichten – aus den Jahren 1970-1980, leistet dafür dringend nötige Aufklärung.

Das Leben hier passierte in dieser Zeit in Abgrenzung nicht nur zur DDR und „den Russen“. Man musste sich auch noch ständig gegen westdeutsche Zumutungen zur Wehr setzen. Wenn Besucher aus dem Ruhrgebiet die Halbstadt erreichten, hatten sie schon „Helmstedt und Dreilinden“ und eine langweilige Transitstrecke überwunden.  Sie sprachen dann gern von der „sterbenden Stadt“, die keine Zukunft hat. Ein Missverständnis. Bewohner der „besonderen politischen Einheit West-Berlin“ konnten dem nur mit fundamentalen geostrategischen Überlegungen begegnen, z.B. mit dem Ausdruck „Restdeutschland“. Mit Großstadtchauvinismus hatte das natürlich nicht das geringste zu tun. Eher schon mit einer gewissen heldenhaften Grundtrotzigkeit, David Bowie hat das verstanden.

Schon als Kinder mussten sich Westberliner mit solchen Wahrnehmungsdifferenzen herumplagen, egal ob es sich um Einschusslöcher oder die Gefährlichkeit des Bahnhofs Zoo handelte.  Wen wundert es da, wenn die Nilpferde des Zoologischen Gartens die Lieblingstiere waren.

Achso. „Westberlin“ haben die „Ossis“ geschrieben. Korrekt müsste es „West-Berlin“ heißen. Ganz wichtig.

Tanja Dückers: „Mein altes West-Berlin: Berliner Orte“, erschienen im be.bra Verlag

am 02. Dezember 2016 - 18:38 von Linda Link

Open Mike 2016

Letztes Wochenende war es wieder soweit, zum 24. Open-Mike-Wettbewerb sammelten sich junge Dichterinnen und Dichter im heimatlichen Neukölln. Das Wettlesen hat Tradition, immer nur 15 Minuten Vorlesen sind erlaubt, darüber wacht ein Wecker. Schlag auf Schlag geht es also, bis die Texte der 22 TeilnehmerInnen durch sind.

Die Einsamkeit der Jury
Die Einsamkeit der Jury

Seit die Veranstaltung bei mir um die Ecke stattfindet, war ich eigentlich immer dabei. Vielleicht nicht für sämtliche Lesungen, aber doch ausgiebig. Voll war es früher, daran erinnere ich mich gut. An den Türen stand Personal, das immer nur so viele Leute in den Saal ließ, wie ihn zuvor welche verlassen hatten. Sitzplätze waren Mangelware und begehrt. Inzwischen ist das anders, schon im letzten Jahr war die Lage entspannt. In diesem fand ich es fast traurig, wie wenig Menschen den Weg zum Open Mike gefunden hatten.

Dabei war das vorgetragene Material gegenüber den letzten Jahren bemerkenswert. Deutlich mehr Erzähltes, selbst in der Lyrik. Geschichten, die über das eigene hinausgehen, kaum Schreiben über das Schreiben. Spannend. Dabei auf der Höhe der Zeit, modern könnte man sagen. Obwohl das nicht wirklich eine literarische Qualität ist, aber erfrischend eben.

Mehr kann auf dem Blog des Open Mike nachgelesen werden, der (sic!) aber nicht so richtig ein Blog ist. (Schon allein wegen des Artikels.) Das wage ich als bloggendes Urgestein hier einfach mal zu behaupten. Eine schlüssige Zusammenfassung mit den Gewinnern und der Gewinnerin gab es auch im Deutschladradio Kultur.

Ebendort soll es auch am 20. November um 1.05 Uhr ein Feature von Irene Binal geben. Untertitel: Der Open Mike ist das Sprungbrett in den Literaturbetrieb für diejenigen, die schreiben, aber noch kein Buch veröffentlicht haben.

Rumspringen mitten in der Nacht. Naja, muss wohl Literatur sein.

am 18. November 2016 - 17:10 von Susanne Englmayer

Anthropozän-Fotos im Tieranatomischen Theater

humboldt-campus1  tieranatomie

Die erste Frage war für mich, wie ich zum Tieranatomischen Theater hinkomme. Navieinstellungen haben nichts genützt, zeitweises Umherirren auf dem Humboldt-Gelände war wohl nicht zu vermeiden.  Zwischen vielen verstreuten Gründerzeit-Anlagen taucht plötzlich dieses schicke frisch renovierte Ausstellungsgebäude auf. Die Vorstellung, dass hier früher Tiere seziert wurden, schwingt bei jeder Veranstaltung mit.

fotoausstellung anthropozaen tieranatomisches-theater

Dass es ein wissenschaftlich begründetes  Anthropozän gibt, ist noch neu. Von Menschen gemachte Spuren sollen in der Erdkruste nachweisbar sein.  Aber kann das fotografisch dokumentiert werden? In Berlin ist EMOP (European Month of Photography) und eine Ausstellung im Tieranatomischen Theater zeigt Landschaften, die „unberührt“ sein sollten. Und es nicht sind.

Von Constanze Flamme werden Aufnahmen gezeigt, die sie nach der Katastrophe von Deepwater Horizon gemacht hat, John Volynchook fotografierte Landschaften in England, die von Fracking bedroht sind. Hans-Christian Schink zeigt, wie Verkehrsprojekte nach der deutschen Einheit unberührte Landschaften zerschnitten haben,  Lois Hechenblaikner wie Skilifte die Alpenlandschaften durchpflügen. Weitere zu entdeckende Arbeiten von Fotografen in dem sehenswerten Gebäude:

Longing for Landscape – Landschaftsfotografie im Anthropozän im Tieranatomischen Theater, noch bis zum 1.12.16, 14 bis 18 Uhr, Eintritt frei

am 10. November 2016 - 21:42 von Linda Link

Stasizentrale Normannenstraße – Instawalk

Im seit 1990 verlassenen Nordflügel von Haus 7 der Stasizentrale kommt Lost Place Feeling auf
Im seit 1990 verlassenen Nordflügel von Haus 7 der Stasizentrale kommt Lost Place Feeling auf

„Was, in der Normannenstraße? Da war ich zuletzt 89 bei Mauerfall und hab da randaliert.“ sagt mein Hausmitbewohner als ich ihm erzähle, daß das Stasimuseum Berlin in der Zentrale des MfS zu einem Instawalk einlud. Auf dem Programm stand das Haus 1 mit der Minister-Etage, der Nordflügel von Haus 7, eine Tour durch das Archivgebäude und die Kunstinstallation „Am Telefon sagt man nix“.

Die Minister-Etage

Von der Minister-Etage bin ich nach wie vor fasziniert, dieser sachliche, eigentlich völlig minimalistische Style, der trotzdem was hergeben soll, Richtung Bauhaus. Der Geruch!

Arbeitszimmer in der Minister-Etage im Haus 1
Arbeitszimmer in der Minister-Etage im Haus 1
Mielkes Zimmer zum Ausruhen
Mielkes Zimmer zum Ausruhen

Die rote Marmorfluchttreppe für Mielke, an deren Ende im Notfall sein Chauffeur mit laufendem Motor wartete. Sagt man.

Ministeriale Fluchten in rotem Marmor
Ministeriale Fluchten in rotem Marmor

Am meisten fängt mich jedoch immer wieder das hier:

Ministeriales Frühstück, loriotreif
Ministeriales Frühstück, loriotreif

Ich grüble immer noch, woher die Notwendigkeit dafür kam. Ob es eine Sicherheit war, falls die persönliche Sekretärin mal ausfiele? Ob die sicher ebenfalls langjährige Sekretärin an seiner Seite die Skizze brauchte, um es auch wirklich immer ganz genau richtig zu machen? Noch interessanter finde ich die Zeichnungen und Beschriftungen selbst: Die Überschrift „Frühstück“ noch linientreu. Die willkürlichen Leerzeichen – Eins zu viel nach der 2, dann zwei zu viel vor dem Komma, eins zu viel vor „vorher“ und dann noch eines mitten im Wort „anpicke n“. Der Tisch akkurat im Viereck mit dem Lineal gezogen, das rechteckige Kaffeetablett dagegen frei Hand gezeichnet. Die Beschriftungen hineingekritzelt, das wäre doch auch mit der Schreibmaschine gegangen.

Und natürlich das 4 1/2 Minuten-Ei, ich höre den Dialog: „Mein Ei ist zu hart.“ „Ich habe es so gemacht, wie ich es immer mache.“ „Wie machst Du es denn immer?“ „Nach Gefühl.“ „Aber woher weißt Du denn, wann 4 1/2 Minuten rum sind?“ „Na, wenn das Ei genau richtig ist.“ Und so weiter und so fort.

Eingangsbereich und Treppenhaus

Halbtransparenter Eingang
Halbtransparenter Eingang
In Stein gemeißeltes Gesicht einer Ideologie
In Stein gemeißeltes Gesicht einer Ideologie
Parteiische Speerspitzen
Parteiische Speerspitzen
Gefangenentransporter, äusserlich unverdächtig
Gefangenentransporter, äußerlich unverdächtig
Transparente Aufstiegschancen
Transparente Aufstiegschancen

Verlassener Nordflügel und Archiv

Instawalker im Nordflügel von Haus 7
Instawalker im Nordflügel von Haus 7
Zurückgeblieben
Zurückgeblieben
Eigenartig
Eigenartig
Unendliche Papierstapel, unglaublich, wieviele Menschen mit der Erstellung, Verwaltung und Durchsuchung beschäftigt gewesen sein müssen
Unendliche Papierstapel, unglaublich, wieviele Menschen mit der Erstellung, Verwaltung und Durchsuchung beschäftigt gewesen sein müssen
Seit 2008 wurden 70% des vorhandenen Stasi Audiomaterials digitalisiert. Bis jetzt sind das 1,8 Jahre ununterbrochene Abspielzeit
Seit 2008 wurden 70% des vorhandenen Stasi Audiomaterials digitalisiert. Bis jetzt sind das 1,8 Jahre ununterbrochene Abspielzeit
Vielfalt analoger Formate
Vielfalt analoger Formate

Der Vortrag des Ton-Arbeiters war packend. Das analoge Material kann nur 1:1 digitalisiert werden. Die Tonbänder zum Beispiel werden durch die Zeit entweder zu trocken und drohen, zu zerbröseln. Oder sie werden zu feucht (sticky tape syndrom), dann werden sie vor der digitalen Aufnahme mit einer Art Heizlüfter getrocknet. Während der Digitalisierung werden die Aufnahmen angehört. Ich mag mir mitunter gar nicht vorstellen, was der Ton-Mann alles anhören muss. Das Meiste ist wohl wenig spektakulär, bei den üblichen Überwachungen ist mitunter nichts zu hören oder es läuft eine Fernsehsendung oder es wird gekocht. Aber es sind auch Aufnahmen aus Vernehmungen, die sogenannte Klärung eines Sachverhalts, dabei. Oder von Gerichtsprozessen.

Da ich in letzter Zeit öfter zu hören bekam, die DDR sei keine Diktatur gewesen, fragte ich in der anschließenden Diskussion den Ton-Mann, der in der DDR gelebt hat. Er zog die Augenbrauen hoch und meinte (sinngemäß), wenn man sich allein das ganze Tonmaterial der allgegenwärtigen Überwachung und das Zusammenspiel mit der Justiz mal vor Augen führte bzw zu Ohren kommen ließe, dann bestünde keinerlei Zweifel, daß es sich hier um eine Diktatur herrsche.

Auch sehr spannend war der unweigerliche Vergleich zwischen Überwachung in der DDR (totalitär, allgegenwärtig, gebündelt in einem Ministerium) und digitaler Datensammelwut (mehrere Akteure, unterschiedlichste Datenherkunft, globale Begehrlichkeiten).

Für mich war es der zweite Besuch in der Stasizentrale, jedes Mal ergaben sich Begegnungen und Diskussionen unterschiedlichster Art und Tiefe. Ich werde wohl noch öfter hingehen, insbesondere lohnt es sich zur langen Nacht der Museen. Oder eben zu einem Instawalk, den es noch öfter geben soll.

am 02. November 2016 - 00:07 von Regine Heidorn

HSB – Die reine Lust am Bloggen

Die Behauptung, das Internet vergäße nicht, niemals, ist eine gerne verbreitete Weisheit. Ebenso ist es jedoch eine Unwahrheit. Das Internet ist durchaus in der Lage zu vergessen, das HSB ist aktueller Nutznießer dieser seiner wenig propagierten Fähigkeit.

Seit einiger Zeit bereits ist alles weg, verschwunden von unseren Servern, und nur wenig davon wird sich möglicherweise doch noch rekonstruieren lassen. Über 10 Jahre Berliner Blogberichterstattung von 20 bis 30 verschiedenen Autoren sind damit verloren, ein Stück Bloggeschichte aus den frühen Glanzzeiten der Bloggerei. Einfach ausgelöscht!

Natürlich sind wir selbst schuld, weitgehend zumindest. Erst wurden wir gehackt, im Winter 2014, wenn ich mich recht erinnere, das hat uns das alte Textpattern-Archiv der Jahre 2005 bis 2011 gekostet. Dann stand ein eiliger Serverumzug an, eine Prozedur, die sich unerwartet unschön durch die Folgejahre gefressen und aktuell nur wenig davon unversehrt gelassen hat.

Doch wir geben die Hoffnung nicht auf, am Ende bleibt die Wayback Machine. Derzeit durchsuchen wir die noch vorhandenen Datenbanken, wir stochern in anderen verschlungenen Kanälen und greifen immer wieder händisch ein. Aber es ist halt Arbeit! So eine Rekonstruktion braucht seine Zeit!

Und der Schmerz über den akut bestehenden Verlust hat uns geprägt. Über ein Jahr lang lagen wir danieder, fassungslos; das HSB, so wie es früher einmal war, wollte uns nicht aus dem Kopf. Doch es wollte auch nicht endgültig gehen, eine Domainlöschung kam uns nie auch nur annähernd in den Sinn. Also haben wir uns darangemacht, nicht mehr all unsere Gedanken an Vergangenes zu verschwenden, sondern außerdem das HSB von Grund auf neu zu stricken und einfach einen Neuanfang zu wagen.

Was natürlich eine Art Unsinn ist. Blogs haben sich überholt, das wissen wir. Ihre ehemals magische Wirkweise ist längst ausgehebelt und ins Facebook und in die Twitterei integriert. Weil es dort so schön einfach ist, alles schon fertig, von der Grundfarbe bis zur Community. Alles schon da, und nichts geht verloren. Oder etwa doch? Instagram hat seinen Anteil abgezwackt und aktuell noch einmal frisch durchgerührt, neuerdings boomt dieses Snapchat-Geschnipsel und etwas ganz Neues, völlig anderes, bahnbrechendes, mit dem man in den Straße und auf freier Wildbahn sogenannten Pokémons nachgeht. Irre!

Egal! Wir bestehen darauf, auf Blogs und das Bloggen. Wir glauben an die Eigenmacht. Oder anders: Wir haben einfach wieder Lust darauf.

am 21. Oktober 2016 - 10:00 von Susanne Englmayer