Hauptstadtblog

Musike

Die Frau sitzt in der U-Bahn eine ganze Weile neben mir und wischt auf ihrem Smartphone herum. So wie fast alle das tun. Entweder das, oder man starrt auf den Monitor, der sich zu diesem Zweck gleich mehrfach in jedem U-Bahnwagen befindet. Einige lesen auch von Papier oder unterhalten sich, aber das ist selten. Die meisten haben die Ohren verstopft, vermutlich hören sie Musik. Die Frau neben mir nicht. Ich schon, und ich lese in einem Buch.

Als ein Mann mit einer Gitarre einsteigt und kurz darauf sein Lied zu singen beginnt, öffnet die Frau, die neben mir sitzt, schleunigst das Frontfach ihrer Handtasche. Sie holt ein kleines Döschen heraus, auf dem Ohropax steht. Und es ist Ohropax darin, das schiebt sie sich zügig in die Ohren. Ich weiß ja nicht. Auch ich bin nicht immer begeistert von den musikalischen Beiträgen, zu denen man insbesondere auf längeren U-Bahnfahren nahezu zwangsläufig verdonnert wird. Auch mir ist es mitunter unangenehm, der Situation nicht entkommen zu können. Selbst wenn ich wollte.

Das mit dem Ohropax fand ich dennoch absurd. Und es war kein Zufall. Als der Mann mit der Gitarre wen Wagen wieder verließ, kam auch das schmierigklebrige Wachszeug gleich wieder zurück in seine Transportbox. Menschen gibt es, echt komisch.

am 27. Februar 2017 - 00:08 von Susanne Englmayer