Hauptstadtblog

Fahrradstadt Berlin?

Darüber kann man streiten. Was die steigende Zahl der im Alltag und Verkehr genutzten Räder angeht: ganz sicher. Was die bestehende verkehrstechnische Struktur betrifft: sicherlich nicht. Aber darum soll es aktuell nicht gehen.

Getern nachmittag hat in der Station Berlin (Luckenwalder Straße) die Berliner Fahrradschau geöffnet. Noch bis Sonntag gibt es in den großzügigen Hallen diverse Aussteller, von den großen Herstellern bis zu kleinen Handwerkskollektiven, alles mögliche rund um die Bike-Kultur zu sehen, zu erleben und natürlich auch zu erwerben. Das umfangreiche Programm bietet wirklich für jeden etwas, für Kinder und Hobbyradler ebenso, wie für Spitzensportler und Design-Freaks. Was Design angeht haben insbesondere dieses E-Bikes, die ziemlich im Kommen sind und daher beinah überproportional vertreten sind, noch einiges aufzuholen, denke ich. Die sind ein bisschen hässlich, alle.

Making of my new Gürtel

Ich als vorwiegende Alltagsradlerin, die keine große Ahnung hat, habe ich die Fahrradschau bei einem ersten Rundgang gestern Abend als angenehmes Gewusel, äußerst vielfältig und meistens nett erlebt. Außerdem bescherte dieser erste Besuch mir einen schicken Gürtel aus recycelten Fahrradmänteln, die von zwei sehr zuvorkommenden italienischen Hipsterbrüdern angefertigt werden.

Ich komme morgen bestimmt nochmal wieder, denn ich mag Handwerk und Design und habe diesbezüglich sicher noch nicht alles gesehen. Die Holzräder zum Beispiel, nur von weitem. Aber die gibt es da wirklich: Fahrräder (fast) ganz aus Holz.

Die HSB-Kollegin von Regines Radsalon ist übrigens heute schon unterwegs, um weit kompetenter als ich übers Radfahren zu reden. Von ihr wird es wohl in den kommenden Tagen einiges zu hören geben.

am 04. März 2017 - 12:09 von Susanne

Musike

Die Frau sitzt in der U-Bahn eine ganze Weile neben mir und wischt auf ihrem Smartphone herum. So wie fast alle das tun. Entweder das, oder man starrt auf den Monitor, der sich zu diesem Zweck gleich mehrfach in jedem U-Bahnwagen befindet. Einige lesen auch von Papier oder unterhalten sich, aber das ist selten. Die meisten haben die Ohren verstopft, vermutlich hören sie Musik. Die Frau neben mir nicht. Ich schon, und ich lese in einem Buch.

Als ein Mann mit einer Gitarre einsteigt und kurz darauf sein Lied zu singen beginnt, öffnet die Frau, die neben mir sitzt, schleunigst das Frontfach ihrer Handtasche. Sie holt ein kleines Döschen heraus, auf dem Ohropax steht. Und es ist Ohropax darin, das schiebt sie sich zügig in die Ohren. Ich weiß ja nicht. Auch ich bin nicht immer begeistert von den musikalischen Beiträgen, zu denen man insbesondere auf längeren U-Bahnfahren nahezu zwangsläufig verdonnert wird. Auch mir ist es mitunter unangenehm, der Situation nicht entkommen zu können. Selbst wenn ich wollte.

Das mit dem Ohropax fand ich dennoch absurd. Und es war kein Zufall. Als der Mann mit der Gitarre wen Wagen wieder verließ, kam auch das schmierigklebrige Wachszeug gleich wieder zurück in seine Transportbox. Menschen gibt es, echt komisch.

am 27. Februar 2017 - 00:08 von Susanne

2017

Macht’s gut, kommt sicher rüber. Lasst es krachen, wenn’s unbedingt sein muss. Ich bleibe zu Hause, außer Gefahr. Ich kann dieses Gelärme nicht leiden, und den Pulverdampf auch. Den vor allem nicht.

Aber es ist wohl gut und richtig, dieses 2016  abzuschließen. Vielleicht sogar abzuschießen. Ja!

am 31. Dezember 2016 - 18:23 von Susanne

Berlin bleibt

Wie kann man HSB sein und nichts sagen, nicht schreiben? Jetzt?! Wo alle Welt über Berlin redet und meint und sogar betet, wie mir Twitter erzählt. Was aber sagen, was überhaupt denken? Und wie?

Notiz von Sigrid Grajek, am 20. Dezember 2016 Brandenburger Tor hinterlassen
Notiz von Sigrid Grajek, am 20. Dezember 2016 am Brandenburger Tor hinterlassen

Zunächst einmal bin ich nur ich, ich bin nicht Berlin. Ich bin in Berlin.

Und dich bin sehr ruhig und friedlich dieser Tage. Ich war in der Nähe am Montag, auch weil ich jetzt in Charlottenburg arbeite. Dann war ich noch die neue Brille abholen, in Wilmersdorf, und morgen muss ich wieder hin, um eben diese Brille zu reklamieren. Der Breitscheidplatz ist dennoch weit weg. Alle meine FreundInnen und KollegInnen, alle bekannten und unbekannten Namen und Gesichter in meiner Umgebung waren kaum näher dran als ich. Das macht es leicht, ich weiß.

Aber es ist kein Krieg, nichts Neues in Berlin oder in der Welt seit Montag. Alles ist wie immer, wie seit langem schon. Also doch Krieg. Ich schaue zurück auf das vergangene Jahr, das eine deutliche Sprache spricht. Und das jetzt noch einmal das Letzte, wirklich Allerletzte zu geben scheint. Was immer es sein mag, das am Montag in Berlin eingekehrt ist, Krieg, Terror oder Verbrechen: Es fordert weltweit Opfer. Viele Opfer und viel Leben, auch da, wo es nicht direkt tötet. Was also sagen, was denken?

Ich weiß es nicht. Aber ich muss auch nicht, denn Sigrid Grajek hat gestern bereits Worte gefunden und umgesetzt, denen ich mich nahtlos anschließe: Kein Hass, voller Liebe und Vielfalt in Freiheit. Das ist Berlin!

Fußnote: Bleibt noch der Ekel vor Meinungsmache und Rechthaberei, die schneller als alles andere längst wieder um sich greifen Und vor all dem politischen Dreck, auch wenn das letztendlich gänzlich wertlos ist.

am 21. Dezember 2016 - 15:20 von Susanne

Open Mike 2016

Letztes Wochenende war es wieder soweit, zum 24. Open-Mike-Wettbewerb sammelten sich junge Dichterinnen und Dichter im heimatlichen Neukölln. Das Wettlesen hat Tradition, immer nur 15 Minuten Vorlesen sind erlaubt, darüber wacht ein Wecker. Schlag auf Schlag geht es also, bis die Texte der 22 TeilnehmerInnen durch sind.

Die Einsamkeit der Jury
Die Einsamkeit der Jury

Seit die Veranstaltung bei mir um die Ecke stattfindet, war ich eigentlich immer dabei. Vielleicht nicht für sämtliche Lesungen, aber doch ausgiebig. Voll war es früher, daran erinnere ich mich gut. An den Türen stand Personal, das immer nur so viele Leute in den Saal ließ, wie ihn zuvor welche verlassen hatten. Sitzplätze waren Mangelware und begehrt. Inzwischen ist das anders, schon im letzten Jahr war die Lage entspannt. In diesem fand ich es fast traurig, wie wenig Menschen den Weg zum Open Mike gefunden hatten.

Dabei war das vorgetragene Material gegenüber den letzten Jahren bemerkenswert. Deutlich mehr Erzähltes, selbst in der Lyrik. Geschichten, die über das eigene hinausgehen, kaum Schreiben über das Schreiben. Spannend. Dabei auf der Höhe der Zeit, modern könnte man sagen. Obwohl das nicht wirklich eine literarische Qualität ist, aber erfrischend eben.

Mehr kann auf dem Blog des Open Mike nachgelesen werden, der (sic!) aber nicht so richtig ein Blog ist. (Schon allein wegen des Artikels.) Das wage ich als bloggendes Urgestein hier einfach mal zu behaupten. Eine schlüssige Zusammenfassung mit den Gewinnern und der Gewinnerin gab es auch im Deutschladradio Kultur.

Ebendort soll es auch am 20. November um 1.05 Uhr ein Feature von Irene Binal geben. Untertitel: Der Open Mike ist das Sprungbrett in den Literaturbetrieb für diejenigen, die schreiben, aber noch kein Buch veröffentlicht haben.

Rumspringen mitten in der Nacht. Naja, muss wohl Literatur sein.

am 18. November 2016 - 17:10 von Susanne

HSB – Die reine Lust am Bloggen

Die Behauptung, das Internet vergäße nicht, niemals, ist eine gerne verbreitete Weisheit. Ebenso ist es jedoch eine Unwahrheit. Das Internet ist durchaus in der Lage zu vergessen, das HSB ist aktueller Nutznießer dieser seiner wenig propagierten Fähigkeit.

Seit einiger Zeit bereits ist alles weg, verschwunden von unseren Servern, und nur wenig davon wird sich möglicherweise doch noch rekonstruieren lassen. Über 10 Jahre Berliner Blogberichterstattung von 20 bis 30 verschiedenen Autoren sind damit verloren, ein Stück Bloggeschichte aus den frühen Glanzzeiten der Bloggerei. Einfach ausgelöscht!

Natürlich sind wir selbst schuld, weitgehend zumindest. Erst wurden wir gehackt, im Winter 2014, wenn ich mich recht erinnere, das hat uns das alte Textpattern-Archiv der Jahre 2005 bis 2011 gekostet. Dann stand ein eiliger Serverumzug an, eine Prozedur, die sich unerwartet unschön durch die Folgejahre gefressen und aktuell nur wenig davon unversehrt gelassen hat.

Doch wir geben die Hoffnung nicht auf, am Ende bleibt die Wayback Machine. Derzeit durchsuchen wir die noch vorhandenen Datenbanken, wir stochern in anderen verschlungenen Kanälen und greifen immer wieder händisch ein. Aber es ist halt Arbeit! So eine Rekonstruktion braucht seine Zeit!

Und der Schmerz über den akut bestehenden Verlust hat uns geprägt. Über ein Jahr lang lagen wir danieder, fassungslos; das HSB, so wie es früher einmal war, wollte uns nicht aus dem Kopf. Doch es wollte auch nicht endgültig gehen, eine Domainlöschung kam uns nie auch nur annähernd in den Sinn. Also haben wir uns darangemacht, nicht mehr all unsere Gedanken an Vergangenes zu verschwenden, sondern außerdem das HSB von Grund auf neu zu stricken und einfach einen Neuanfang zu wagen.

Was natürlich eine Art Unsinn ist. Blogs haben sich überholt, das wissen wir. Ihre ehemals magische Wirkweise ist längst ausgehebelt und ins Facebook und in die Twitterei integriert. Weil es dort so schön einfach ist, alles schon fertig, von der Grundfarbe bis zur Community. Alles schon da, und nichts geht verloren. Oder etwa doch? Instagram hat seinen Anteil abgezwackt und aktuell noch einmal frisch durchgerührt, neuerdings boomt dieses Snapchat-Geschnipsel und etwas ganz Neues, völlig anderes, bahnbrechendes, mit dem man in den Straße und auf freier Wildbahn sogenannten Pokémons nachgeht. Irre!

Egal! Wir bestehen darauf, auf Blogs und das Bloggen. Wir glauben an die Eigenmacht. Oder anders: Wir haben einfach wieder Lust darauf.

am 21. Oktober 2016 - 10:00 von Susanne