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HSB – Die reine Lust am Bloggen

Die Behauptung, das Internet vergäße nicht, niemals, ist eine gerne verbreitete Weisheit. Ebenso ist es jedoch eine Unwahrheit. Das Internet ist durchaus in der Lage zu vergessen, das HSB ist aktueller Nutznießer dieser seiner wenig propagierten Fähigkeit.

Seit einiger Zeit bereits ist alles weg, verschwunden von unseren Servern, und nur wenig davon wird sich möglicherweise doch noch rekonstruieren lassen. Über 10 Jahre Berliner Blogberichterstattung von 20 bis 30 verschiedenen Autoren sind damit verloren, ein Stück Bloggeschichte aus den frühen Glanzzeiten der Bloggerei. Einfach ausgelöscht!

Natürlich sind wir selbst schuld, weitgehend zumindest. Erst wurden wir gehackt, im Winter 2014, wenn ich mich recht erinnere, das hat uns das alte Textpattern-Archiv der Jahre 2005 bis 2011 gekostet. Dann stand ein eiliger Serverumzug an, eine Prozedur, die sich unerwartet unschön durch die Folgejahre gefressen und aktuell nur wenig davon unversehrt gelassen hat.

Doch wir geben die Hoffnung nicht auf, am Ende bleibt die Wayback Machine. Derzeit durchsuchen wir die noch vorhandenen Datenbanken, wir stochern in anderen verschlungenen Kanälen und greifen immer wieder händisch ein. Aber es ist halt Arbeit! So eine Rekonstruktion braucht seine Zeit!

Und der Schmerz über den akut bestehenden Verlust hat uns geprägt. Über ein Jahr lang lagen wir danieder, fassungslos; das HSB, so wie es früher einmal war, wollte uns nicht aus dem Kopf. Doch es wollte auch nicht endgültig gehen, eine Domainlöschung kam uns nie auch nur annähernd in den Sinn. Also haben wir uns darangemacht, nicht mehr all unsere Gedanken an Vergangenes zu verschwenden, sondern außerdem das HSB von Grund auf neu zu stricken und einfach einen Neuanfang zu wagen.

Was natürlich eine Art Unsinn ist. Blogs haben sich überholt, das wissen wir. Ihre ehemals magische Wirkweise ist längst ausgehebelt und ins Facebook und in die Twitterei integriert. Weil es dort so schön einfach ist, alles schon fertig, von der Grundfarbe bis zur Community. Alles schon da, und nichts geht verloren. Oder etwa doch? Instagram hat seinen Anteil abgezwackt und aktuell noch einmal frisch durchgerührt, neuerdings boomt dieses Snapchat-Geschnipsel und etwas ganz Neues, völlig anderes, bahnbrechendes, mit dem man in den Straße und auf freier Wildbahn sogenannten Pokémons nachgeht. Irre!

Egal! Wir bestehen darauf, auf Blogs und das Bloggen. Wir glauben an die Eigenmacht. Oder anders: Wir haben einfach wieder Lust darauf.

am 21. Oktober 2016 - 10:00 von Susanne